Der Baum an der Grenze: Konflikte sind vermeidbar

Nachbarschaft – Bäume, Hecken und Sträucher an oder auf der Grundgrenze sorgen häufig für Uneinigkeit – vor Arbeitsbeginn mit dem Nachbarn abklären.

Besonders Bäume und Sträucher an oder auf der Grenze sorgen immer wieder für Konfliktstoff.
Für viele ist überraschend: Für Bäume und Sträucher entlang einer privaten Grundgrenze gelten in Oberösterreich grundsätzlich keine fixen Abstände. Eine Ausnahme gilt für Neuaufforstungen im Sinne des OÖ. Alm- und Kulturflächenschutzgesetzes. Diese sind vorher beim Bürgermeister anzuzeigen, und es ist ein Mindestabstand von fünf Metern zu fremden Grundstücken einzuhalten, sofern nicht im Flächenwidmungsplan ein größerer Abstand festgelegt ist.

Einvernehmen mit dem Nachbarn herstellen

Für einzelne Bäume, Baumreihen, Hecken oder Sträucher gibt es dagegen keinen vorgeschriebenen Mindestabstand zum Nachbargrund. Stattdessen greift einer der seltenen Fälle von gesetzlich erlaubter Selbsthilfe: das Überhangsrecht. In § 422 ABGB (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch) ist geregelt: „Jeder Eigentümer kann die in seinen Grund eindringenden Wurzeln eines fremden Baumes oder einer anderen fremden Pflanze aus seinem Boden entfernen und die über sei-nem Luftraum hängenden Äste abschneiden oder sonst benützen. Dabei hat er aber fachgerecht vorzugehen und die Pflanze möglichst zu
schonen.“
Einen darüber hinaus gehenden Beseitigungsanspruch billigt die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshof zu, wenn von den überhängenden Ästen eine konkrete Gefahr ausgeht. Das Abschneiden des Überhangs muss vom eigenen Grundstück aus erfolgen, den Nachbargrund darf man nur mit Genehmigung des Eigentümers benützen. Generell ist zu empfehlen, dass vor Beginn solcher Arbeiten wenn möglich das Einvernehmen mit dem Nachbarn gesucht wird.

Grenzbaum: Holz ist bei der Fällung zu teilen

Das Eigentum an einem Baum richtet sich danach, wo der Stamm aus dem Boden wächst. Ist das nicht nur an, sondern direkt auf der Grundgrenze, wird also der Stamm von der Grenze durchschnitten, so spricht man von einem Grenzbaum. Dieser gehört beiden Nachbarn gemeinsam, sie müssen die Benützung untereinander regeln und das Holz bei einer Fällung teilen.