Foto: Lust aufs Land/Gabi Cacha

Goldhauben: Gold auf dem Kopf

Die Goldhaube, prunkvolle Krone der Tracht, hat eine lange Geschichte. Ihre Herstellung ist filigrane Handwerkskunst, die viel Geduld verlangt.

Wenn es draußen kalt, aber sonnig ist, dann zieht es Christine Oberauer aus Enzenkirchen in ihren Wintergarten. Nicht etwa, um trotz kalter Jahreszeit die Sonne zu genießen: Sie nutzt das helle Licht, um ihrem liebsten Hobby nachzugehen, der Goldhaubenstickerei. So wie jetzt, wo die 64-Jährige millimetergroße Goldperlen auf die extrafeine Nadel fädelt. „Dafür braucht man schon gute Augen“, sagt die Innviertlerin, „und ein gutes Licht.“ Der helle Wintergarten ist daher ihr liebster Stickplatz. 

Oberauer ist eine jener Stickerinnen, die ihr Wissen und Können auch in Kursen weitergeben und damit interessierten Frauen ermöglichen, sich ihre eigene Goldhaube anzufertigen. 

Ihre erste Goldhaube hat sie im Jahr 1978 gestickt. Geschickt fixiert sie mit den Perlen winzige, zu „Schüsserln“ geschlagene Goldplättchen auf dem Stickgrund, einem aus Goldfäden gewebten Stoffband. Dieses Goldgewebe, exakt 120 mal 16 Zentimeter groß, ist die Grundlage jeder Goldhaube. Zum Besticken wird der Stoff auf einem Holzrahmen aufgespannt. Bevor es an die filigrane Arbeit geht und der erste Nadelstich gesetzt wird, soll die Goldhaube gedanklich schon einmal Gestalt angenommen haben. Welches Muster soll die besondere Haube zieren? Blätter, Blüten, Ähren? Wie dicht soll sie bestickt werden? 

Jede Haube ist ein individuelles Einzelstück

Als Kursleiterin kann Christine Oberauer natürlich weiterhelfen, sie greift dann zu ihrem dicken blauen Ordner. Darin hat sie seit Jahrzehnten Ideen und Vorlagen für Stickmuster gesammelt. „Persönlich gefallen mir die Muster von ganz alten Goldhauben am besten, aber diese sind oft sehr aufwändig zu sticken“, sagt die Innviertlerin. Im Vordergrund steht natürlich der persönliche Geschmack, aufwändige Muster verlangen aber nicht nur mehr Zeit zum Sticken, sondern auch einen höheren finanziellen Einsatz: Auch wenn die verwendeten Flitter (Pailletten), Goldperlen, Folien (blattförmige Motive) und Goldbouillonen (Schlauch aus spiralförmigem Golddraht) nicht aus purem Gold, sondern nur vergoldet sind, sind diese nicht gerade billig.

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